Mit Kamelen im Akakus (16 Tage)
Wie ausführlich soll man über 16 Tage Kameltrekking berichten?
Einerseits ist es jeden Tag das gleiche, abgesehen natürlich vom Wechsel der Landschaft, andererseits ist jeder Tag angefüllt mit Ereignissen, die ihn einzigartig machen...
Den allgemeinen Tagesablauf habe ich hier skizziert: Ein durchschnittlicher Tag während der Kameltour
Hier folgen jetzt die zurückgelegte Strecke und einige Begebenheiten dieser Tour:
Am ersten Tag werden die Kamele aufgeteilt und nachdem sich Reiter und Reittier beschnuppert haben, gehts - erstmal zu Fuß- los.
Nachdem die Müdigkeit aus den Gliedern gewichen ist und die morgenliche Kälte immer mehr der brennenden Sonne Platz gemacht hat, wird aufgesessen.
Die Neulinge werden anfangs am Zügel geführt.
Bis sie selber entschieden haben, es auch ohne Hilfe zu schaffen, können sie die Zeit nutzen, die beste Sitzhaltung auszuprobieren und das etwas mulmige Gefühl wegen des doch sehr beträchtlichen Abstands von Po-Höhe und Boden loszuwerden.
Am ersten Mittagsrastplatz ist meist noch nichts von Druckstellen am Po oder Einschränkungen in der Beweglichkeit des Rückens zu spüren.
Aber am abendlichen Feuer, spätestens jedoch am nächsten Morgen bleibt "es" nicht aus.
Gott sei Dank hält der gemeine Muskelkater nur 1 bis 2 Tage an -
wer jetzt beim Reiten aussetzt, schleppt die Sache nur unnötig hin.
Also lautet die Devise: "Durchhalten!"
Gut zu wissen, dass der zweite Tag immer der schlimmste ist.
Nach 5 bis 6 Tagen ist selbst die Erinnerung an etwaige Anfangsprobleme verflogen - so sehr zieht einen der Zug der kleinen Karawane in dieser abwechslungsreichen, atemberaubenden Landschaft in den Bann.
Im Verlauf unseres 16-tägigen Kameltrekkings reiten wir durch den Akakus, Hauptrichtung ist von Süd nach Nord.
Durch die endlosen Möglichkeiten, kleinen und größeren Wadis zu folgen, gleicht keine Tour der anderen.
Dieses Mal ziehen wir hinter Wadi Wanboubou, wo wir am Guelta (natürliches Regenwasserreservoir) nocheinmal die Kamele ausgiebig getränkt und uns gewaschen haben, zum Affazigiar, danach Richtung Südosten.
Dabei sind wir für knapp zwei Tage auf algerischem Gebiet.
Keinen stört's und uns erschließen sich phantastische An- und Aussichten.
Moussa will uns auch dieses Mal viele neue schöne Plätze zeigen.
Und was für schöne Plätze haben wir gesehen!
Den einstimmig zum lieblichsten Flecken gewählten Platz erreichen wir am 8. Tag unserer Kameltour.
Wir beschließen, dort einen längeren Stopp einzulegen und erst am nächsten Nachmittag weiterzuziehen.
Wir finden fast jeden Tag alte Tonscherben, Reibschalen und Reibsteine und sehen uns uralte Felszeichnungen und -gravuren an.
Anhand der wechselnden Motive (Savannentiere wie Löwen, Gnus, Nashörner oder Strauße, Jäger mit Jagdhunden, Kuhherden mit Hirten, römische Streitwagen, gezogen von Pferden, oder die ersten Kamelreiter mit dem heute noch typischen Sätteln) kann man das ungefähre Alter der Felskunst schätzen.
Am Bir Imananer endlich wieder eine Gelegenheit, sich und die Klamotten ausgiebig zu waschen.
Wir bauen uns eine kleine Duschkabine zwischen dem Jeep und dem Generatorhäuschen und ziehen paarweise mit vollen Wasserkanistern hinein.
Zum zweiten Mal treffen wir auf andere Touristen.
Es ist eine französische Wandergruppe.
Zu unser aller Entsetzen zieht sich eine Frau bis auf die Unterwäsche aus und erfrischt sich am Brunnen.
Selbst die Mehrheit der mitreisenden Franzosen findet das äußerst unpassend.
Aber um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, wäscht sich danach einer der Franzosen bei heruntergelassener Hose.
Ihm war es offensichtlich total gleichgültig, dass er sich über alle gesellschaftlichen
Normen im Gastgeberland hinwegsetzt.
Was er wohl dazu sagen würde, wenn sich ein Tuareg an einem Dorfbrunnen irgendwo in der Normandie nackt ausziehen und Intimpflege betreiben würde?
Na ja, "diese Kameltreiber haben ja sowieso weder Kultur noch Anstand!"
Jedes Mal, wenn wir in der Nähe eines Nomadenlagers vorbeiziehen oder Rast machen, bekommen wir Besuch.
Oft sind es die Kinder, die zusammen mit den Müttern "das Zelt und die Ziegen hüten", die vorbeikommen und durch den Verkauf oder Tausch von Pfeilspitzen oder seltenen Steinen, Steinrosen o.ä. ein kleines Geschäft machen wollen.
Seltener kommen die Männer, die meistens weit weg von ihren Familien die
Kamelherde betreuen oder Arbeit in den Dörfern und Städten gefunden haben.
Treffen wir auf eine Ziegenherde und es ist wieder mal an der Zeit, die Speisekammer zu füllen, wird ein Zicklein gekauft und geschlachtet.
Diese Tage sind immer auch Festtage für uns, gibt es doch am Abend gegrillte Leber am Spieß und ein "Bar-B-Q".
Am ersten Abend des Aid al Addhan machen wir uns "fein" und tanzen den ganzen Abend nach allerlei Klängen vom Band.
Wir sind ausgelassen und versuchen uns am Ende gar in traditionellen Tuaregtänzen, nachdem uns erklärt wurde, was wir wie zu tun haben.
Am nächsten Tag reiten wir ins Awiss ein, einem sehr schönen Flecken im Norden des Akakus.
Nach ihm wurde Moussas Agentur benannt.
Rechts von uns (also im Osten) sehen wir zwischen den Felsen immer wieder die Dünen des Erg Wan Kassa.
Am Bir Suget werden die Kamele getränkt und ein paar Klamotten gewaschen.
An diesem Tag ist es sehr dunstig und windig - eine komische Stimmung.
Weil der Flugsand alles in Sekundenschnelle bedeckt, wird der Mittagssalat im Auto geschnitten.
Wir ziehen kurzentschlossen mit Tablett und Schüsseln etc. in ein 10 Meter hoch gelegenes Abri, wo wir einigermaßen Schutz finden vor Wind und Sand.
Am vorletzten Kameltag treffen wir während unserer Mittagsrast auf einen Pulk von 5 Jeeps mit Italienern.
Vielleicht sah unsere kleine Gruppe gar zu idyllisch aus oder weiß der Geier warum, jedenfalls machen sie von uns Fotos und Videoaufnahmen.
Endlich beschleicht auch uns einmal das "Zoogefühl", das wir mit unserer Fotografiererei sicher den meisten Einheimischen bescheren.
Der letzter Kameltag.
Sollten das wirklich 16 Tage gewesen sein?
Es ist kaum zu glauben!
Der letzte Abend mit Litnein und Schech, sie werden morgen früh die Kamele nach Ghat zurückführen.
Die Ereignisse während der Kameltage werden nochmal in fix improvisierten Liedern besungen.
Schech macht Tugella.
Im Mondschein spielen Aisha, Housseni, Litnein und ich ein letztes Mal Domino.
Am Morgen dann der endgültige Abschied - bis zum nächsten Mal!
Nun geht es per Jeep weiter, Richtung Norden.
Wir machen Rast am "Bonbonplatz": dort liegen jede Menge kleine, bunte Kiesel herum.
Weiter gehts zum Adad, einem Solitärfelsen in Form eines Daumens, der das nördliche Ende des Akakus markiert.
In Al-Aweinat sind wir wieder auf der Teerstraße.