Kreuz und quer im Akakus
Die Kamele werden aufgeteilt.
Aishas Absaou, Fatins Eseref und mein Aurar sind bereits vergeben und stehen nicht zur Disposition.
Doch die verbleibenden Kamele sind bis auf eines neu eingekauft und alle miteinander sind sie schön!
Der prüfende Blick der Tuareg schweift über die Touristen und Kamele - wer könnte zu wem passen?
Bald sind alle Pärchen zugeordnet und es kann losgehen ...
Mouftah und sein Jeep bleiben zurück.
Um unser Gepäck und evtl. den einen oder anderen reitmüden Touristen zu transportieren, reichen ein Jeep und der Küchen-Pickup allemal aus.
Wir verabschieden uns von Mouftah und verabreden uns im Wadi Imanaaner für die Rückreise.
Die Kamel-Neuen proben derweilen das Sitzen in 2,50 m Höhe.
Das ist doch schon eine sehr ungewohnte Perspektive und vor allem ein wenig wacklig, oder?
Doch bald schon legt sich bei den meisten die erste Aufregung und - am Strick gezogen - setzen sie sich in Bewegung.
Unser jüngstes Gruppenmitglied Kader (14) hat diesen Tag so erlebt: "Mein erster Kameltag".
Am ersten Tag gehen Litnein und Housseini mit uns.
Das ist auch für uns Alte ein Novum: Housseini begleitet die Kamele.
Wer - um Gottes Willen - bereitet denn dann unseren Salat und kocht zu Abend???
Die meist spärliche Vegetation um uns herum ist erstaunlich grün und sieht ungewohnt saftig aus.
Wie Litnein bestätigt, hat es ausreichend geregnet, wenn auch der Grundwasserspiegel nicht in allen Wadis genügend aufgefüllt wurde, um alles zu begrünen.
So bleibt auch dieses Jahr das eine oder andere Wadi trocken und unsere kleine Karawane muss andere Wege einschlagen.
Denn das "A und O" auf unserer Streckenwahl bleibt immer die Suche nach einem guten nächtlichen Futterplatz für die Kamele.
Hier kann nachgelesen werden, wie so ein durchschnittlicher Tag während der Kameltour abläuft.
Aisha hat für uns ein Gedicht geschrieben. Wollt ihr es mal lesen? Bitteschön: Gedicht von Aisha "Ein schöner Tag".
Auch dieses Jahr bietet uns Moussa wieder einen Mix aus bekannten Wadis und neuen Wegen in noch unbekannte Wadis -
mit noch-noch-noch schöneren Plätzen und mit unbekannten prähistorischen Felsgravuren und -zeichnungen.
Ab dem zweiten Tag begleiten hauptsächlich Litnein und Cheikh unsere kleine Karawane.
Fatimata liebt es, zu wandern.
Und das ganz schön schnell!
So ziehen die beiden (Fatimata und ihr Kamel) meist vor uns her, wenn nicht einer der Begleiter um das Kamel bittet, um ein Stück mit uns zu reiten.
Wir treffen während unserer Reise im Akakus nur eine einzige andere Touristengruppe: eine agile 18-köpfige(!) schweizer Wandergruppe.
Das ist einerseits ganz gut so, denn nichts hasst der Tourist mehr, als andere Touristen zu treffen,
andererseits aber auch ein untrügliches Zeichen, dass - gerade zur absoluten Höchstsaison, nämlich über Weihnachten -
die Touristen dieses Jahr ausgeblieben sind.
Ich habe bereits in Deutschland erfahren, dass viele Reiseveranstalter ihre Reisen in den Nahen und Mittleren Osten sowie nach Nordafrika absagen mussten,
weil die Leute storniert haben.
Von Moussa und Mouftah erfahre ich, dass in dieser Saison (also von Herbst 2001 bis Frühjahr 2002) fast niemand gekommen ist und auch nur wenige fürs Frühjahr angemeldet sind.
Weder Deutsche noch Franzosen, keine Niederländer oder Spanier, von Italienern und Schweizern: keine Spur.
Da kann man nichts machen: Die Angst vor weiterem Terror und darauffolgenden Vergeltungsschlägen steckt in den Leuten drin.
Das Erfreuliche am Zusammentreffen unserer zwei Gruppen war, dass zwei der sie begleitenden Tuareg alte Freunde von uns waren.
So konnten wir Neuigkeiten und Nettigkeiten austauschen und es war doch noch ganz amüsant.
Am Weihnachtstag kommen wir an das Guelta im Wadi Anchal.
Wenn das kein Geschenk ist!
Die Kamele werden getränkt und nach dem Mittagessen ist Waschen angesagt.
Erst wir selber, dann ein paar Klamotten.
Bis wir alle reihum fertig sind, vergeht ein gutes Weilchen.
Aber wir haben es heute nicht mehr weit, unser Lagerplatz liegt gleich um drei Ecken.
Heiligabend.
Nachdem wir bereits zum Fünf-Uhr-Tee/Kaffee jede Menge Weihnachtsgebäck verdrückt,
eine Kassette voll betörender Weihnachtslieder gehört und selber eine Runde fast vergessene Weihnachtslieder zum Besten
gegeben haben, hat uns Housseni mit einem leckeren Abendmahl beglückt.
Danach gab es noch Mousse au Chocolat aus dem Expeditionsausrüstungsladen (klasse Idee von Aisha).
Einfach nur mit Wasser anrühren und kräftig drauflosschlagen. Es hat köstlich geschmeckt!
Danke an alle, dass wir so ein schönes Fest hatten:
All die Plätzchen (eine Sorte war sogar - huch! - mit Rum), der Stollen von Fatimata und Brahim
(der übrigens bei den Tuareg den meisten Anklang fand!), die singende Keksdose von Lalla, die Teelichter von Safia, und und und.
Vielen Dank auch an unseren Freund Willi aus München!
Er hat Aisha und mir je einen Kerzen-Weihnachtsbaum in der Schuhcremedose mit auf die Reise gegeben.
In deren Licht haben wir in der Stillen Nacht noch Stille Post gespielt, auf deutsch, arabisch, französisch, tamashek.
Mancher glaubt, dass es hilfreich ist, dem Zuhörenden das jeweils andere Ohr zuzuhalten (damit nichts nach außen dringt?)
oder die Augen zu bedecken (damit kein verräterisches Funkeln zu Spekulationen über den Inhalt der geheimen Botschaft verleitet?).
Ein Brüller und deswegen dann doch nicht so still und besinnlich.
War das schön!
Die Heilige Nacht wurde dann noch ziemlich laut und ungemütlich:
Rambo, dieser verrückte Hirtenhund, der uns schon den zweiten Tag verfolgte, jaulte und winselte wie wild.
Da er bereits vorher nur mit Mühe und Not von (aus?) Lallas Schlafsack zu vertreiben war, und es ihn wie magisch immer
wieder dorthin zog, haben ihn die Männer kurzerhand an einer langen Leine festgebunden.
Das passte ihm natürlich gar nicht, was er lautstark zur Kenntnis gab.
Drei Tage später liegt unser Abendplatz im Wadi Innemillel.
Dort wurde nach der Teepause endlich das in Ghat gekaufte Henna zum Hände-Färben angerührt.
Dazu gibt es einen kurzen Bericht aus dem Kosmetiksalon von Lalla.
Ja, Lalla, auf die Fotos bin ich auch gespannt!
Nur zu bald kommt der letzte Kameltag mit dem letzten Kamelabend auf uns zu.
Zum Abschluss gibt es eine kleine Tende.
Am Lagerplatz empfangen wir Mouftah, der mit dem zweiten Jeep und frischem Gemüse und Wasser aus Ghat gekommen ist.
Cheikh wird morgen mit den Kamelen nach Ghat ziehen.
Er will in zwei Tagen da sein, um am Kamelrennen teilzunehmen.
Am nächsten Tag geht es weiter mit den Jeeps.
Wir verabschieden uns von Cheikh und den Kamelen.
Da wir uns aber am heutigen Abendplatz wiedersehen werden, ist der Abschied erstmal nur vorläufig und deshalb halb so schlimm.
Wir kommen zur "Kathedrale" und dem großen Nashorn, zum Tifinagh-Felsen und vielen weiteren schönen Felsgravuren und -zeichnungen.
Gegen Abend treffen wir einen sich müde dahinschleppenden Cheikh.
Er ist den ganzen Tag mit hohem Tempo und zum Abend hin mit immer unwilliger werdenden Kamelen gegangen.
Jetzt ist es nur noch ein kleines Stück ...
Am Abendrastplatz sind wir dann wieder vollzählig: 8 Kamele, 8 Touristen und 5 Tuareg.