Am nächsten Tag mussten wir über einen steinigen Gebirgspfad.
Unsere Kamele schienen das nicht gewöhnt zu sein und manche waren ängstlich und zögerten an
einigen Stellen.
Unsere algerischen Pistensäue vom Vorjahr hätten da wahrscheinlich nur gelacht.
Auch schienen Ali und Cheikh die Gegend nicht so genau zu kennen, denn wir mussten eine Weile
herumprobieren, ehe wir einen gangbaren Pfad fanden.

Mittags zogen Moussa und die anderen Begleiter noch einmal los auf Suche nach Wasser, wie es hieß.
Als sie dann frisch gewaschen und mit sauberen Klamotten zurückkamen, waren wir entsetzt.
Was für eine Gemeinheit, wo wir doch nach einem Waschtag lechzten!
Die Haare waren schon ganz verklebt und versandet.
Und sie haben uns noch nicht einmal verraten, dass auch wir bald baden können.
Am späten Nachmittag kamen wir nämlich an einer ausgedehnten Wasserstelle an.
Die Kamele konnten nun ausgiebig getränkt werden.
Dabei stellte sich Eckelbau dämlich an, er ließ sich an einer Nebenpfütze nieder und trank im Liegen.
Da es dann doch schon etwas später war, haben wir unseren Waschgang auf den kommenden Morgen
verschoben.
Bei der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz kam mir Aisha in die Quere, schnappte mir eine
schöne Stelle in den Steinen vor der Nase weg und ich musste ins Wadi abziehen.
Später sollte ich ihr dankbar dafür sein.
Schlangenalarm und Waschtag
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, herrschte große Aufregung im Lager.
Housseini und Moussa zogen mit Stöcken bewaffnet los.
Sollte etwa eine Schlange aufgetaucht sein?
Schon vor der Reise erzählte mir Azahra, dass es im Tassili mehr davon gäbe als im Akakus.
Und tatsächlich, Aisha hatte in der Nähe ihres Schlafsackes Spuren von einer Hornviper entdeckt.
Wie sich herausstellte, gab es zwei Stück in unserer Nähe.
Für den Moment hatten sie sich verkrochen und wir fuhren auf der Ladefläche des Pickups zum Waschen.
Es war eine Wohltat mal wieder Wasser über seinen Körper fließen zu lassen und manch einer wusch
auch noch ein paar Klamotten.
Nicht dass die bei dem getrübten Wasser und dem anschließenden Trocknen auf sandigem Felsen
sauber würden, aber sie rochen etwas frischer.

Erfrischt und bester Laune kamen wir zurück ins Lager, wo schon eine Schlange am Spieß zappelte.
Kurze Zeit später flogen die Steine, denn die andere Viper kam aus ihrem Versteck in einem Busch
hervor und spießte bald neben ihrer Artgenossin.
Die Tage des Schlangenalarms brachen an, denn ab jetzt fanden wir täglich Spuren.
Ich achtete nun genau darauf, dass sich mein Nachtplatz in übersichtlichem Terrain befindet,
fern von Bäumen oder Steinen, damit ich nicht aus Versehen eine Schlange störe.
Persönlich habe ich während der Reise auch keine einzige entdeckt, mir wurden alle nur tot präsentiert.

Diese Nacht sollten wir an einem der schönsten Plätze im Tassili, Maridat, verbringen.
Auf unserem Anmarsch kamen uns dann auch einige Touristenautos entgegen gefahren.
Diesmal gewann ich den Kampf um den Schlafplatz, denn ich hatte rechtzeitig mein Kennzeichen
angebracht, dafür schnappte Aisha aber Samira den Platz weg.
Man sollte meinen, die Wüste bietet ausreichend Platz für alle, um sich nach Herzenslust
auszubreiten, aber gerade die schönen Stellen (etwas windgeschützt und eben) in der Nähe des
Lagers sind meist rar und hart umkämpft ;-).
Während am Anfang jeder seine eigene Schüssel bekam, aßen wir mittlerweile aus einem einzigen Napf.
Das hat seine Vorteile, denn man muss nicht aufessen, wenn man satt ist.
Bei der Suppe ist es aber unpraktisch. Bei dem langen Weg bis zum Mund geht einiges daneben.
An diesem Tag wurde ein neuer Rekord aufgestellt, dank Samira war die Suppenschüssel total leer.
Als Ersatz für die Singrunden wurde nun immer öfter im Dunkeln Domino gespielt.
Mir war das ja zu anstrengend und ich versuchte mich vom Spielen zu drücken.
Bislang gelang mir das auch gut, ich nahm dafür auch den Job als Taschenlampenhalter in Kauf.
Da wir diesen herrlichen Flecken im Tassili noch näher erkunden wollten, zogen wir am nächsten
Tag erst nach der langen Mittagspause weiter.
Wieder waren einige schwierige Felsstücke dabei, an denen sich Eckelbau, wer hätte das gedacht,
als wagemutig erwies und in Nullkommanichts herunter sprang, während Samiras Schlitzohr sich als
großer Angsthase entpuppte.
Über Schlafplatzwahl, Polizisten und ... Schlangenalarm
Wegen der Schlangen hatte ich mir abends eine Stelle mitten im Wadi ausgesucht.
Cheikh meinte schon, in der Nacht würde mich mein Aurar dort auffressen.
Ich protestierte natürlich, mein Aurar macht so was doch nicht.
Als ich später zu meinem Schlafsack wollte, fand ich meine Taschen von Kamelen umzingelt.
So richtig geheuer war es mir nun nicht mehr, dort wollte ich nicht bleiben.
Zwar fallen die Kamele nicht über einen her, aber immer diese riesigen Gestalten um einen herum
und dann noch diese Kaugeräusche!
Ich schnappte also mein Zeug und übernachtete in der Nähe des Feuers.
Am folgenden Tag kamen wir schon wieder an einem Brunnen vorbei und hätten Gelegenheit zum
Waschen gehabt.
Mittags in der Gluthitze konnte sich aber niemand dazu aufraffen und so hielten wir lieber ein
Nickerchen inmitten von "Kacka Eselen" oder befragten unser Orakel.
Als wir am Nachmittag zum zweiten Teil der Strecke aufbrachen, trauten wir unseren Augen kaum:
Unser Polizist bestieg eines der Kamele.
Wir hatten ihn schon immer damit aufgezogen und er sagte meist auch "Ja, morgen".
Wenn es dann soweit war, wollte er aber nichts mehr davon wissen.
Mittlerweile glaubten wir nicht mehr daran.
Nun stellte er sich aber gar nicht so blöd an und nach kurzer Zeit konnte er das Tier auch
selbst lenken.
Der Tag sollte aber auch noch in anderer Hinsicht denkwürdig werden.
Nach Einbruch der Dunkelheit, als wir alle zum Abendessen eintrudelten, gab es plötzlich große
Aufregung: Mariam wurde von einer Schlange angefaucht.
Moussa stand ganz in der Nähe und das Tier wurde sofort gezweiteilt.
Umgehend waren wir sensibilisiert und die Parole "festes Schuhwerk", also Wanderschuhe, wurde
herausgegeben, da die Viecher ca. 5 cm über dem Erdboden zubeißen.
In der Nacht entwickelte dann jeder seine eigene Methode der Schlangenabwehr, der Großteil schlief
im Zelt, wohl am sichersten, Mariam legte ein Seil weiträumig um ihren Schlafplatz und Samira,
die Mutigste, ließ sich nicht beeindrucken und legte sich auf einen Dünenkamm.
Alle blieben unbehelligt in ihrem Schlafsack, aber am nächsten Morgen wurden neben Samira Spuren
identifiziert und auch auf dem Weg zu Azahra querte man eine Spur.
Aber bevor die Nachtruhe anbrach, hatten wir noch einen sehr schönen Abend am Feuer.
Bei diversen Aktionen taute sogar unser Polizist auf und spielte mit Cheikh das Entfesselungsspiel -
allerdings ohne Erfolg!
Domino und Reiten in den Sonnenuntergang
Die Schlangen waren zwar weiterhin allgegenwärtig, aber sie versetzten uns bis zum Schluss nicht
mehr in Aufruhr.
Dafür tatzte mich am 12. Tag der Reise Moufta in der Mittagspause beim Dominospielen.
Er kam mit dem Versorgungsauto vorbeigefahren und brachte Nachschub an Cola, Gemüse und anderen Dingen.
Da er ein passionierter Dominospieler ist, schnappte er sich Housseini und verkündete, er wölle
jetzt alle Touristen besiegen.
Ich hielt mich abseits des Geschehens, das nützte mir aber nichts.
Nach zwei Runden kam Moufta mit der Teekiste (Spieltischchen) und ließ sie vor meinen Füßen fallen.
So schnell konnte ich gar nicht Nein sagen wie ich die Dominosteine in der Hand hatte.
Für mein erstes Spiel und mit Aishas Assistenz habe ich mich mit Mariam gar nicht so schlecht
geschlagen und wir verloren nicht haushoch.
Das war wohl das erste Mal bei Azahras sieben Reisen, dass jeder Tourist Domino spielte.
Abends gab es die betrübliche Nachricht, dass Cheikh uns mit Moufta verlassen sollte, weil er am
Ende der Kameltour eines der Autos zu uns bringen musste. Wir waren alle ganz traurig.
Am nächsten Tag haben wir in einer Ansiedlung in der Nähe eines Brunnens Pause gemacht.
Der Weg dahin sollte eigentlich nicht so weit sein, aber es wurde ein Mammutmarsch.
Irgendwie vertat sich Moussa seit zwei Tagen mit seinen Zeitangaben.
Mittlerweile sind auch die Indinen, unser Endziel, als immer größer werdende steinerne Silhoulette
in Sicht und wir werden die nächsten Tage im Zickzack auf sie zu laufen.
Das erinnerte irgendwie ein wenig an Algerien und den tagelangen Ritt um den Agelalla.
Unsere Touareg hatten sich köstlich über unseren Bericht amüsiert, nun veranstalteten sie ein
ähnliches Spektakel.

Die letzen Kameltage verliefen relativ ruhig.
Zweimal hatte ich die Gelegenheit, erst zum Sonnenuntergang mit den Kamelen im Lager einzureiten.
Die Hälfte von uns Touristen hatte sich bereits vom Auto einsammeln lassen.
Es war aber herrlich bei der abendlichen Beleuchtung zu reiten, wo die Farben besonders intensiv
sind und die Hitze auch nicht mehr so groß ist.
Schade, dass wir das nicht schon früher gemacht hatten.
Mäusejagd und Kamelabschied

Eines Abends veranstalteten unsere Begleiter Ali, Housseini und Moussa eine Mäusejagd.
Das war zum Schießen!
Mit welcher Akribie die Falle, bestehend aus einer Schüssel und einem Stock als Stütze, an dem ein
Seil befestigt war, immer und immer wieder aufgebaut wurde!
Dann lagen alle gespannt auf der Lauer.
Die Maus zeigte sich sogar, bevor die Falle aber zuschnappen konnte, war sie wieder entwischt.
Nach einer Weile wurde sie aber dennoch gefangen.
Ganz starr und verängstigt saß sie auf Azahras Hand und tat einen Angstschiss.
Wir haben sie nicht geröstet, sondern wieder laufen lassen.
Viel zu schnell kam das Ende des Kamelreitens.
Und die Tiere haben sich mit einem Paukenschlag verabschiedet:
Aus unserem letzten gemeinsamen Lager sind sie nämlich ausgebüchst und zu einer 5 km entfernten
Wasserstelle gedüst.
Erstaunlich, wie weit die in so kurzer Zeit und trotz Fußfesseln gekommen sind.
Unsere Fahrt ins nahe gelegene Hamam (die heißen Quellen) zog sich deshalb hin, denn wir mussten
die Tiere suchen.
Mit einer furzeligen Taschenlampe sind wir Ewigkeiten im Gelände im Kreis gefahren.
Ich konnte in der Dunkelheit nichts erkennen, aber Ali fand immer wieder Spuren.
Nach einer Weile gaben wir auf und überließen Ali und Moufta die Suche.
Zum Glück hatten sie die zündende Idee und nachts waren die Kamele wieder vollzählig und wir
konnten uns am nächsten Morgen gebührend verabschieden.
Das Awiss, Felsgravuren und ein kleiner Zoo
In den verbleibenden Urlaubstagen waren wir mit zwei Autos unterwegs und ich konnte sogar das
Awiss, ein wunderbares Gebiet im Akakus und Namensgeber für Moussas Agentur, kennen lernen.

Hauptziel waren aber Felsgravuren im Gebiet Tin Ilubbu, die Moussa erst vor einiger Zeit entdeckt
hatte und uns nun unbedingt zeigen wollte.
Der beschwerliche Anfahrtsweg hatte sich gelohnt:
Gut erhaltene Elefanten, Giraffen, Büffel und vieles mehr waren zu sehen.
Nun ging es rapide dem Ende des Urlaubs entgegen.
Die letzte Nacht mit unseren Touareg verbrachten wir auf einem neuen Campingplatz bei Sebha.
Den zu finden war gar nicht so einfach.
Er war nicht ausgeschildert und so landeten wir zunächst in einigen Sackgassen.
Dafür waren wir dann überwältigt von dem unerwarteten Luxus:
Wir nächtigten in runden Hütten, die Duschen funktionierten, es gab Schauvitrinen mit Steinen
der Gegend und einen kleinen Zoo.
So langsam konnten wir uns wieder auf die Zivilisation einstellen.
Am nächsten Morgen wurden wir auch schon von einem Minibus abgeholt.
Es hatten sich doch keine Wunder mehr ereignet und wir konnten froh sein, dass wir kein Flugticket
ergattert hatten, die Flüge wurden nämlich abgesagt und einige Touristengruppen standen dumm am
Flughafen rum.
So schlimm war dann die Autofahrt auch nicht, nach 8 Stunden waren wir schon in Tripoli.
Abends sind wir in ein Restaurant zum Essen gefahren, aber irgendwie schmeckte es uns dort nicht.
Wir waren von Housseinis Speisen sehr verwöhnt.
Ein letzter Tag in Tripoli
Der letzte Urlaubstag zog sich etwas in die Länge.
Gleich früh sind wir alle ins Museum, aber da war mehr geschlossen als offen.
Nach einer halben Stunde waren wir durch und Azahra konnte wieder nicht in die Touaregausstellung.
Seit Jahren versucht sie es nun schon.
Es schloss sich ein Stadtbummel in Zweiergrüppchen an.
Leider war aber Ramadan und man konnte sich nicht ins Café setzen und Leute beobachten oder
etwas essen.
Als dann auch noch das typische Tripoliwetter - nämlich Regen - einsetzte, verzogen wir uns zurück
ins Hotel, packten, trafen uns zum Cappuccino trinken und später zum Abendessen.
Bei weiteren Cappuccinos vertrieben wir uns die Zeit, bis wir endlich 1.00 Uhr in der Nacht zum
Flughafen gefahren wurden.
Gegen 4.00 Uhr ging der Flieger zurück in die Heimat.
Die Reise war sehr ereignisreich und aufregend.
All das Getier, die Hitze und am Anfang die Regenwolken.
Die meisten würden wohl nicht wieder so zeitig im Jahr in die Wüste fahren, für mich würde ich
es nicht ausschließen.
Klar, im Dezember ist es ruhiger, aber die Erlebnisse dieser Reise möchte ich nicht missen.
Kleine Ergänzung von Aisha:
Als wir in Aramnudaden angekommen sind, wollten Moussa und Ali eine kurze Versorgungsfahrt nach Al Aweinat
unternehmen. Sie fragten, ob jemand mitkommen will.
Und Aisha hat den Verlockungen der Stadt nachgegeben und "Ja, ich!" gesagt.
Was daraus geworden ist? Lest es nach in ihrem Bericht vom Ausfall des TPS.