Akakus mit Kamelreiten
Fahrt mit drei Jeeps und einem Pickup sowie Moussa, Housseini, Hamouda, Yussef-Guitar und Ibrahim über Al-Aweinat ins Awiss.
An einem superschönen Fleckchen schlagen wir unser Lager auf.
Heute ist Silvester.
Ich habe für alle bunte Leuchtbänder mit, die jeder nach Gusto anlegt, zum Beispiel als Armband, Halskette oder Heiligenschein.
Wenn man sie schnell wirbelt, entstehen phantastische Lichteffekte.
Zur Feier des Tages gibt es Leberspieß von der frisch geschlachteten Ziege.
Wir singen, trommeln und tanzen mit Sternchenfeuer ins neue Jahr.
Kull 'aam wa antum bi-chair! Frohes neues Jahr!

Wir fahren rum, sehen Gravuren und Felszeichnungen.
Den Akakus habe ich ja schon in vielen früheren Berichten beschrieben.
Er ist immer und immer und immer wieder eine Reise wert!
Am Kameltreffpunkt sind Cheikh, Aghali und Mohamed sowie Aurar und die anderen neun Kamele.
Große Wiedersehensfreude auf beiden Seiten!
Und hier schreibt Renate über ihre erste Begegnung mit den Kamelen, ihre Bedenken und wie diese zerstreut wurden.
Gleichzeitig bekommen wir einen kleinen Einblick, wie unser Chamelier Aghali das Kamelreiten sieht (das fand ich sehr amüsant).
Lest nach in: "Mein erster Kamelritt".
Am Feuer wird gesungen und Bernd und Moussa begleiten uns mit Gitarre bzw. Kanister.
Khadija brütet einen Husten aus. Sie ist schlapp und fühlt sich gar nicht gut.
Am Abend kocht uns Housseini immer eines seiner tollen Menüs - kulinarischer Höhepunkt des Tages.
Es gibt mehrere Lieblingsessen, eines ist "Spaghetti Tonno".
Vor allem Aisha kann sich dann nicht mehr zügeln. Man glaubt kaum, was in eine Person alles reinpasst ...
Ebenfalls sehr beliebt sind Housseinis Suppen.
Vor allem die himmlische Linsensuppe könnten wir jeden Tag essen.
Nach dem Abendessen sitzen wir ums Feuer, trinken Tee, unterhalten uns und singen gelegentlich, mal mit, mal ohne instrumentale Unterstützung.
Hans zieht sich meist nach dem Essen an seinen Schlafplatz zurück.
Das Sitzen auf dem Boden ist nicht so seine Sache, es tut seinem Rücken nicht gut.
Überhaupt ist mir Hans nur reitend, laufend, stehend oder liegend in Erinnerung.
Oft spielen wir nach dem Essen Domino, zwei gegen zwei.
Das birgt großes Suchtpotential, und - ich muss es gestehen - ich bin süchtig.
Aber Bernd hat ein neues Spiel mitgebracht, das uns schon in Ghat auf dem Campingplatz prächtig unterhalten hat: "Der große Talmudi".
Wir spielen in großer Runde. Und da es (fast) ohne Worte auskommt, können auch unsere libyschen Freunde schnell mitspielen.
Der erste Kameltag: Wir reiten los und bald fühlen sich auch die meisten der Kamelneulinge sicher in großer Höhe.
Nur Jutta und Renate trauen dem Frieden nicht so recht und lassen sich lieber von ihren persönlichen Chameliers an der Leine führen.
Da muss man sich nicht ums Lenken kümmern, sondern kann - trotz des "unheimlichen Schaukelns" - ganz relaxt die Blicke schweifen lassen.
Und Jürgen kann seinen Bewegungsdrang am besten beim Laufen mit Kamel ausleben.
Yussef und Ibrahim fahren mit zwei der Jeeps weg.
Unser aller Gepäck kommt in den Jeep mit Hamouda und die Küche wie immer auf den Pickup mit Moussa.
Unterwegs treffen wir Ahmed, der noch mit einem europäischen Botschafter unterwegs ist.
Er wird zwei Tage später zu uns stoßen.
Khadija ist richtig krank. Sie fährt bei Hamouda im Auto mit.
Wir anderen kraxeln die Auf- und Abstiege mit den Kamelen an der Leine und reiten über Hamada und durch schöne Wadis.
Hans reitet oft allen voraus - er genießt die Ruhe und ist nach ein paar Tagen total tiefenentspannt.

Die Mittagsplätze während des Kameltrekkings suchen wir nach zwei Kriterien aus:
Die Kamele müssen genügend Futter in der näheren Umgebung finden und wir brauchen einen großen Baum mit viel Schatten für unser Lager.
Das mit dem vielen Schatten klappt nicht immer, aber wir sind flexibel und rücken eben etwas mehr zusammen.
Wir tränken die Kamele an wassergefüllten Gueltas oder an Brunnen, von denen es im Akakus mehrere gibt.
Und so sieht ein durchschnittlicher Tag während der Kameltour aus.
Bernd packt des Öfteren sein Malzeug aus und fertigt wunderschöne Aquarelle.
In seinem kleinen Beitrag sind einige davon zu sehen: "Episoden".
Mit unserem Polizisten haben wir dieses Mal richtig Glück!
Er beteiligt sich beim Lagerauf- und -abbau, sammelt Holz, hilft in der Küche und macht oft Tee.
Manchmal begleitet er uns beim Kameltrekking.
Er ist oft zu Späßen aufgelegt und sogar singen kann er.
Wirklich eine Bereicherung - und ich weiß, wovon ich rede:
Etwa ein Drittel der Polizisten, die mit uns unterwegs waren, sind überzeugte Stadtmenschen, ungeeignet für die Wüste und/oder unwillig.
Endlich geht es mit Khadija aufwärts, dafür ist Jürgen seit ein paar Tagen krank.
Abends am Feuer bekommt Jutta ihren Namen: Rhazella (Gazelle).
Die anderen sind schon zu Bett und müssen bis morgen warten.
(Kleiner Einschub: Ein paar Tage später bekommt sie einen zweiten Namen: Jutta-Mabsuta, die zufriedene Jutta.
Da kann man sich ja leicht vorstellen, warum.)
In der Nähe von Juttas Schlafplatz entdecken wir am Morgen einen großen Fennekbau.
Viele frische Spuren, aber kein Fennek in Sicht. Schade!
Das erste Foto wird durch Anklicken zu einem Panoramafoto von Bernd.
Im Laufe der Tage besichtigen wir immer wieder Felszeichnungen und -gravuren.
Dann erfolgt auch Jürgens erster Ritt. Erst wollte er lieber laufen, dann war er einige Tage krank.
Ausgerechnet an diesem Nachmittag machen wir einen kleinen Marathon-Ritt. Aber Jürgen steckt das weg.
Auch Bernd, Ursula, Rolf und Renate bekommen ihren neuen Namen am Feuer verliehen:
Aus Bernd wird Hadj Amrar, aus Ursula Umm Mahani (Mutter der Ruhe), Rolf wird fortan Arabush heißen und Renate Hayat.
An einem lauschigen Fleckchen packen Aghali und Housseini eines Nachmittags ihre Kommssionsware aus:
Geschmiedetes, Geschnitztes und Geflochtenes werden liebevoll auf einem schönen Tuch drapiert.
Alle umringen die Auslagen und mehrere Stücke wechseln den Besitzer.
Und so werden Freunde, Nichten & Neffen, der Käufer selbst oder was-weiß-ich-wer bedacht.
Die Preise sind fair und man kauft ja gern bei einem "Händler des Vertrauens".
Leider kann man sich nicht darauf verlassen, dass immer jemand was auf Kommission dabei hat.
Dafür sind die Umsätze zu gering; manches Jahr geht viel, in anderen fast gar nichts über die Ladentheke.
Es folgen ein paar Tage mit abendlichem oder nächtlichem Regen.
Meist sind es ja nur ein paar Tropfen, aber ab und an auch mal ein bisschen mehr.
Eines Nachts gg. 2 Uhr muss ich mit Sack und Pack umziehen.
Mein Schlafplatz ist dem immer heftiger werdenden Regen ausgesetzt.
Der starke Wind drückt ihn fast im 90°-Winkel in jede Ecke meines felsüberdachten (also eigentlich geschützten) Schlafplatzes.
Sowas haben wir auf unseren Wüstenreisen bisher nur in Algerien erlebt.
Am nächsten Morgen erfahre ich, dass Jutta-Mabsuta sozusagen im Stehen, an den Fels geschmiegt, geschlafen hat, um dem Regen zu entgehen.
Na ja, "geschlafen" ist wahrscheinlich zuviel gesagt.
Dann bricht der letzte von sieben Kameltagen an.
Es wird nochmal eine ordentlich lange Strecke geritten.
Auch Khadija sitzt seit dem vergangenen Tag wieder im Sattel.
Vier von sieben Tagen musste sie krankheitsbedingt aussetzen. Wie schade!
Jutta-Mabsuta und Hayat beenden ihren letzten Reittag so, wie sie den ersten vor 7 Tagen begonnen haben:
Sie thronen auf ihren Decken hoch oben auf dem Kamel wie zwei Prinzessinnen und lassen ihre majestätischen Blicke huldvoll über's
laufende, reitende und fahrende Volk schweifen.
Die Zügel aus der Hand geben, Leib und Leben Aghali und Mohamed anvertrauen, deren leisen Gesängen lauschen, in den Tag hinein träumen -
etwas Schöneres scheint es nicht zu geben!
Arabush hatte während dieser Tage viel Zeit und Muße, sein Kamel zu analysieren.
Er weiß jetzt genau, wie es "tickt", und das hat er für uns aufgeschrieben.
Er kommt zu dem Schluss: "Kamele sind auch nur Menschen".
Am Lagerplatz angekommen, stößt Yussef-Guitar mit seinem Jeep wieder zur Gruppe.
Jetzt sind wir komplett für die nächste Etappe.
Am Abend danken wir für eine Woche Karawanenfeeling.
Zur Feier des Tages wird noch einmal eine Ziege geschlachtet und gesungen und getanzt.
Aghali und Mohamed spielen auf der selbstgebauten Hirtenflöte.
Und Bernds Gitarre geht von Hand zu Hand, auf einmal entdecken (fast) alle Tuareg ihr bislang schlummerndes Talent ...
Unser stiller Mohamed entpuppt sich als "Partyhecht" und überrascht uns mit diversen Gesangs- und Tanzeinlagen.
Auch Cheikh und Hamouda sind nicht mehr zu halten und springen ums Feuer und durch die klatschende, johlende Meute.
Ein schöner Kamelabschied.
Am nächsten Morgen ziehen Aghali und Mohamed mit den Kamelen von dannen.
Cheikh und die Sättel begleiten uns noch ein Stück bis Al-Aweinat.
Hayat und Khadija haben kurz hintereinander Geburtstag.
Es gibt für jede einen Geburtstagsteller mit Kerzen, einer kleinen Überraschung und was Süßem sowie ein Gruppenständchen und viele Küsschen.
Außerdem überreicht Hadj Amrar jedem eine schöne, während der Reise selbstgemalte Geburtstagskarte, die wir alle unterschreiben dürfen.
Bestimmt ein ganz besonderer Geburtstag.