Ghat und Akakus, inkl. 7 Tage Kamelreiten
Danach waren wir für anderthalb Tage in Ghat und haben Familienbesuche absolviert.
Unglaublich, was in Ghat gebaut wird! Baustellen so groß wie Dörfer finden sich gleich an drei Stellen rund um Ghat.
Und Barket ist mit Ghat schon längst verschmolzen.
Am Abend auf dem Campingplatz kam Yussuf Guitar vorbei, der uns auf den beiden letzten Reisen begleitete, und hat uns ein kleines
privates Konzert gegeben. Das war sehr schön!
Am nächsten Tag ging es mit Moussa, Housseini und Sidi (unserem neuen Fahrer) in den Akakus. Leider war die Südroute nicht offen,
sodass wir über Al-Aweinat den nördlichen Einstieg nahmen.
Einen Tag hatten wir uns noch Jeep fahren verordnet, bevor wir für 7 Tage aufs Kamel umstiegen.
Wir sind u.a. durchs wunderschöne Awiss gefahren, um dann beim Kameltreffpunkt in der Nähe vom Pass zu übernachten.
Dass der Akakus mein liebstes Fleckchen Erde ist, habe ich in den vorigen Reiseberichten ja schon genügend erwähnt.
Dort lassen sich auch - bei Interesse - noch mehr Fotos und Beschreibungen finden.
Freudiges Wiedersehen mit unserem Chamelier Ali, den wir bereits 2003 und 2004 dabei hatten.
Unsere fünf Kamele waren in sehr guter Verfassung, und da wir Touris alle schon Libyen-Reiterfahrung hatten, konnte es gleich richtig losgehen.
Und hier habe ich vor Jahren mal aufgeschrieben, wie so ein durchschnittlicher Tag während der Kameltour abläuft.
Wir ritten sowohl auf bekannten als auch neuen Pfaden, u.a. durch ein wunderschönes Wadi, welches selbst Ali noch nicht kannte.
Dort haben wir - nach 13 Reisen ohne Glück - endlich die ersten frei lebenden Akaokan (Klippschliefer; Einzahl: Akaokao) vor die Fotolinse bekommen.
Mein kleiner Fotoknipser hatte keine Chance, die schnellen Wusel im Felsgewirr festzuhalten.
Mariams guter Digitalkamera haben wir das Foto zu verdanken (einmal im Original, einmal als etwas unscharfer, vergrößerter Ausschnitt) - vielen Dank!
Die Kameltage haben wir unterschiedlich ausgenutzt. An erster Stelle stehen dann nicht Reitstunden und wunderschöne Schlafplätze,
sondern das Weideangebot für die Tiere bei den Mittags- und Nachtplätzen.
So gab es mal relativ kurze, mal sehr lange Reitetappen, aber die Kamele haben gut mitgehalten, genauso wie wir vier, zuweilen fünf feschen Kamelreiter.
Es war wieder von allem was dabei: Hamada, tiefsandige Dünenausläufer, liebliche Wadis, steinige Auf- und Abstiege
(Moussa spricht von "grande Salitas"; das mittlere Foto hat der Diek geschossen).

Nach zig Jahren hatte ich mal wieder die Gelegenheit, Darra zu spielen. Natürlich mit Ali.
Die am Ende ausgeglichene Sieg-/Niederlage-Rechnung war aber eher meinem Glück und der generösen Nachlässigkeit meines Gegenspielers zu verdanken
als wirklicher Raffinesse.
An meiner Taktik muss ich noch feilen! Aber wenn wieder mehrere Jahre vergehen bis zum nächsten Spiel, werde ich nie ein Meister ...
Natürlich haben wir uns wieder viele Felszeichnungen und Gravuren angeschaut.
Leider sind ja viele der bekannten Stellen von einem (lt. behördlichen Aussagen einheimischen) Arschloch zerstört worden.
Ich habe mir erspart, davon Fotos zu machen.
Dafür hat uns Moussa neu entdeckte und sehr versteckte, phantastische Felszeichnungen gezeigt, die uns mit ihrer Fülle und Schönheit überraschten - und wir haben auf unseren 14 Reisen schon viel gesehen.
Stellvertretend für alle auf dieser Reise gesehenen prähistorischen Zeugnisse im Akakus sollen diese Fotos stehen, die manchmal nur mit etwas Kletterei zu erlangen waren:
Außerdem hatten wir mal wieder das Glück, ein ganz frisches, noch wackeliges Kameljunges mit seiner Mutter zu sehen.
Moussa und Sidi meinten, es wäre höchstens einen Tag alt.
Als wir kurze Zeit später auch am Geburtsort vorbei kamen, hat es sich bestätigt, dass es in der vergangenen Nacht geboren wurde (das Blut war noch ganz frisch).
Auffallend waren auch die vielen, zum Teil übergroßen Koloquintenfelder voller Früchte in den von Regen beglückten Wadis.
Vor allem im Süd-Akakus spross das Gras in den Senken und an den Sandhängen der Wadis mit Regen-Glück.
Was von weitem wie große grüne Teppiche aussah, entpuppte sich beim Näherkommen als Millionen von kleinen Graspflanzen.
Die Ziegen machten sich als erste darüber her.
Während unserer neun Tage im Akakus haben wir nur einmal ein anderes Touristenauto (mit drei einheimischen Arabern aus der Hauptstadt) gesehen.
Nur ab und an kam mal ein Polizeiauto auf Streife vorbei.
Selbst am Bir Imaner war keine Menschenseele.