Wer sind wir, was wollen wir
Gerne wird von deutschen Politikern die besondere Beziehung zwischen Deutschland und Israel beschworen, die sich im Übrigen in einer massiven wirtschaftlichen, militärischen und ideologischen Unterstützung des Staates Israel manifestiert, vor allem aber in weitgehender Abstinenz bei jeglicher Kritik an der Politik Israels.
Nicht eine wirkliche Auseinandersetzung mit der deutschen Schuld und Verantwortung, sondern das schlechte Gewissen, das sich wie ein Schleier über die Vergangenheit legt, inspiriert immer noch politische Einstellungen und Entscheidungen in Deutschland.
Als Israel 1982 den Libanon überfiel, verlor es für viele Menschen gleichsam seine Unschuld, und erstmals konnte man es auch in der deutschen Öffentlichkeit wagen, Israel gegenüber Kritik zu üben.
Damals gründete sich das Palästina-Komitee München.
Ohne den Holocaust und die Vertreibung der Juden Europas hätten Millionen Palästinenser nicht ihre Heimat verloren.
Die Palästinenser in Israel, in den besetzten Gebieten und überall auf der Welt würden nicht bis auf den heutigen Tag unter den Folgen der deutschen historischen Verbrechen leiden.
Dazu einige Stichworte:
- Bei der Gründung Israels 1947 waren weniger als 7% des Landes in jüdischem Besitz, doch 77% von Palästina wurden israelisches Staatsgebiet.
- Jeder nicht-jüdische Bewohner wurde zum Bürger zweiter Klasse.
- 44% des Landes, das unter israelische Herrschaft kam, wurde mit einem Federstrich enteignet, der Rest zum größten Teil in den darauffolgenden Jahrzehnten.
- Enteignung und Vertreibung hängen zusammen: jeder "abwesende" Palästinenser verliert automatisch den Rechtsanspruch auf sein zurückgelassenes Eigentum.
- Jeder Jude auf der Welt hat Anspruch auf die israelische Staatsbürgerschaft.
- Den vier Millionen seit 1948 vertriebenen Palästinenser sind Einreise oder Niederlassung in ihrer Heimat verwehrt.
Diese rassistische Politik sichert dem Staat Israel seinen jüdischen Charakter.
Israel rühmt sich, "die einzige Demokratie des Nahen Ostens" zu sein und wird in der Welt weitgehend auch als solche anerkannt.
Die meisten Menschen aber, die bis vor wenigen Jahrzehnten auf dem Territorium lebten, das sich Israel angeeignet hat, wurden vertrieben und entrechtet und bleiben weiterhin in diesem Zustand, weil sie keine Juden, sondern Palästinenser sind.
Dieser Widerspruch zwischen demokratischem Anspruch und rassistischer Grundlage des Staates Israel wird zunehmend auch für die israelische Gesellschaft zum Problem und ist Ansatzpunkt für einen kritischen Dialog.
Deutschland hat historisch nicht nur zu Israel, sondern auch zu Palästina eine besondere Beziehung.
Es hat sich der Verantwortung nicht nur für die direkten Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes zu stellen, sondern auch für die indirekten Opfer.
Als Palästina-Komitee stellen wir fest, dass folgende Probleme nicht gelöst sind:
- nach wie vor leben vier Millionen Flüchtlinge in Lagern innerhalb und außerhalb Palästinas, und ihre Ansprüche auf Rückkehr und / oder Entschädigung werden von Israel - trotz internationaler Anerkennung
(siehe entsprechende UN-Resolutionen) nicht einmal diskutiert
- nach wie vor sind jährlich Tausende Palästinenser aus Gaza und der Westbank gezwungen, zu emigrieren bzw. sich in Israel als billige, rechtlose Arbeitskräfte zu verdingen, weil
- nach wie vor in den angeblich autonomen Gebieten eine vollkommene Abhängigkeit von Israel herrscht, die jegliche wirtschaftliche Entwicklung stranguliert
- nach wie vor wird palästinensisches Land enteignet und werden durch den Bau von jüdischen Siedlungen Tatsachen geschaffen, die jegliche Verhandlungslösung unterlaufen
- nach wie vor leben die arabischen Israelis in ihrem eigenen Land als Bürger zweiter Klasse
- nach wie vor ist von dieser Politik der gewaltsam geschaffenen Tatsachen insbesondere auch Jerusalem betroffen, die kulturelle, religiöse und politische Hauptstadt Palästinas
- nach wie vor hat sich Israel nicht zu dem eklatanten Unrecht und der Schuld bekannt, auf die dieser Staat gegründet ist.
Terroristische und andere gewaltsame Lösungsversuche seitens des israelischen Staates oder von einzelnen Palästinensern entbehren jeglicher Rechtfertigung und sind nur kontraproduktiv.
In diesem Sinne verurteilen wir solche Aktionen, versuchen über die Hintergründe aufzuklären und den Dialog zu fördern.
Wir unterstützen jede Initiative, sei es von Einzelnen, sei es von Gruppen, die zur Entwicklung einer politischen Lösung beiträgt, an der Palästinenser und Israelis als gleichberechtigte Partner beteiligt sind.
Wir halten in diesem Zusammenhang eine alternative Öffentlichkeitsarbeit gerade in der BRD für besonders wichtig, um auf die Meinungsbildung und die Politik gegenüber Israel im Sinne einer Enttabuisierung Einfluss zu nehmen.
Durch folgende Projekte setzen wir - in Zusammenarbeit mit der Palästinensischen Gemeinde, der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe und anderen - unsere Zielvorstellungen um:
- politische und kulturelle Veranstaltungen zum israelisch-palästinensischen Konflikt und zur Beziehung der BRD zu dieser Thematik
- eine regelmäßige Mahnwache
- die Unterstützung von Hilfsprojekten in palästinensischen Flüchtlingslagern